Sportlich geriet mir Hamburg, auch nach dem Umzug nach Lübeck, nicht aus dem Sinn, ob es meine späte Leidenschaft zum Badminton war, die Begeisterung für die Fußballmannschaft des FC St. Pauli, lange als Fahrstuhlmannschaft betitelt (wegen des wiederholten Auf- und Abstiegs aus bzw. in die 1. Bundesliga) oder der Laufsport, den ich 1985 im Hammer Park begann, mit ersten Wettbewerbsteilnahmen, bspw. dem Event „Rund um die Alster“ (10km), an dem ich in den Jahren 1993, 1994, 1995, 1997, 1998, 1999, 2000, 2001, 2003 und 2005 teilnahm und dem Marathon .
Letzteren absolvierte ich 2002, 2004 und 2005; erfolgreich insofern, als dass ich jeweils nach den 42,1 km das Ziel erreichte, allerdings dabei keine besonderen Bestzeiten aufstellte.
2005
1995
Ein Artikel vom 20.04.1995 aus den Lübecker Nachrichten, in der über den Bericht des Rechnungshofes geschrieben wurde:
Leider lernen die Behörden und Ämter über die Zeit hinweg nichts aus der Kritik, und leider verfügen die Rechnungshöfe über keinerlei Sanktionsmöglichkeiten, und leider führt Verschwendung in den meisten Fällen nicht zu Regressforderungen gegenüber den Verantwortlichen.
2006
Hammerbrook am Berliner Tor von oben ….
Im März, nur eine Woche später, ein Walk um die Alster – im Schnee – mit Abstecher nach Planten und Blomen …
Die IBM-Hochhäuser am Berliner Tor….
2010
Ein Besuch im neuen Hamburger Stadtteil Hafencity, der sich teilweise noch im Bau befand, ebenso das bald als neues Hamburger Wahrzeichen apostrophierte Bauwerk, die Elbphilarmonie.
Unfertiges zwischen den Neubauten….
….und Altes aus der Speicherstadt und deren Umgebung…. Alles eigene Bilder vom 16.06.2010.
2011
Die Mönckebergstraße verwandelte sich an einem Wochenende Ende Juni zu einer Show-Meile für Motorradfreaks…
2012
Vorweihnachtszeit am und um den Hamburger Hauptbahnhof herum…
2017
Wer darf wieder einmal nicht fehlen? Die Elphi (Elbphilharmonie), das neue Wahrzeichen Hamburgs.
Aber deshalb wurde Hamburg in diesem Jahr nicht besucht, sondern wegen….
….. der Schlager-Move zog durch Hamburg, hier auf St. Pauli über die Reeperbahn. Schönes Wetter, gute Laune, fröhliche Menschen, laute Musik.
2018
Ein Besuch an alter Stätte, Poelchaukamp, die Eisdiele, das Café Canale etc. In der Tordurchfahrt Wandmalereien…
Nette Idee, Politiker und Künstler in die erotische Antike zu versetzen. Rund um die Alster marschiert, dabei die Art der Bewachung der amerikanischen Botschaft im Bild festgehalten…
2019
Etwas außerhalb vom Zentrum, die Bunthausspitze mit begehbarem Leuchtturm in Moorwerder….
Die Hafencity aufs Neue erkundet, es wurde immer noch gebaut…
….aber die Elphi überstrahlte majestätisch alles….
Wer möchte in so einem wackelig wirkenden Turm gerne wohnen?
2021
Mal wieder im Winter (Februar) in Hamburg, die Alster auf dem besten Wege sich für „eine Begehung“ bereit zu machen…
Die Tage bestes Wetter für einen Walk / Ride an der Elbe…
bis nach Wedel zwischendurch …. mit Päuschen.
Die Idee hatten wir nicht nur alleine….
2022
Einmal über die Elbe schippern bzw. sich schippern lassen, hier Ende April von Cranz hinüber nach Blankenese – Teufelsbrück mit Blick auf Sülldorf.
Anschließend den Jenisch-Park inspiziert….
Jenisch-Haus
Waren bis nach Wedel gefahren, dort ein Besuch im Ernst-Barlach-Museum geplant. Eine Sonderausstellung „The Beatles„.
Die Noten zu „Hey Jude“
2024
Januar
Ausnahmsweise einmal demonstrierten nicht die treckerfahrenden Bauern, sondern Bürger, die sich gegen den rechten Ruck in der Gesellschaft wandten und sich um die Fortbestand der Demokratie sorgten. Es waren nach einem Bericht in den LN vom 20.01.2024 mehr als 80.000 Menschen, zu viele, die Demonstration musste durch die Organisatoren aufgelöst werden.
LN vom 20.01.24
Februar
Die Landpomeranzen aus Lübeck besuchten einmal wieder die Metropole Hamburg, geladen wurde zum 82. Geburtstag einer Verwandten. Auserwählt als Treffpunkt ward die Lange Reihe gewählt. Das Restaurant Casa Di Roma, 2020 von der Zeitschrift Szene zum besten italienischen Lokal gekürt, die Speisen ebenso gelobt vom Abendblatt Ende 2022, schienen ein gutes Omen für eine gelungene Feier zu sein. Aufmerksamer Service, eine übersichtliche Speisekarte, handgeschrieben auf Kreidetafel, der gute Ruf, „die Bude“ war – überraschend – mittags schon voll. 2x Kalbsleber, 1x Cannelloni mit Blattspinat und Ricotta, 1x Lasagne, 2x Kürbis-Gnocci. Vorweg, für mich etwas ungewohnt – Bruschetta, Dreierlei, übersichtlich rund geformt auf platter Platte. a. Avocado mit Ziegenkäse; b. Parmaschinken mit Parmesan; c. Trüffel mit Creme Fraiche. Keine einzige Tomate, wie ich es üblicherweise gewohnt war. Das Brot, doppelgebacken, leichter Biss wie in Knäckebrot, trotzdem alles lecker. Die auf den Tellern recht übersichtlich angeordneten Hauptspeisen schafften es, uns satt und zufrieden zu machen. Sizilianischer Grillo, ein Glas für 10,50 €, fast geschenkt, mundete. Die drei Damen tranken eine Flasche Villa Solais aus Sardinien. Auf geht’s, ein nächstes Mal….. Keine Bilder, muss nicht immer sein.
1968, ein Stadtplan Hamburgs, zwei- und dreidimensional, mit Erläuterungen zum Werdegangs der Stadt und einem Vorwort vom damaligen Senator Helmuth Kern (Wirtschaft und Verkehr).
1976 existierte in Hamburg ein Unternehmer, der u.a. einen Hostessen-Service betrieb. Ausgebildet wurden die Frauen zwischen 19 und 32, um Kenntnisse über die Sehenswürdigkeiten Hamburgs zu erlangen. Sie sollten Touristen Auskünfte erteilen, sie zu bestimmten Attraktionen bringen, auf Veranstaltungen Künstler betreuen, auf Einweihungen Blumen verteilen oder auf Messen Standbetreibern assistieren.
In der Armgartstraße befand sich zu etwas späterer Zeit die Fachhochschule für Bekleidungstechnik und Modedesign….. …..ein Bild aus einem der Ausbildungsräume….
Es galt, als Neu-Hamburger, die Metropole Hamburg näher kennenzulernen, wir mussten uns ja nun hier nach dem Wegzug aus dem niedersächsischen Umfeld von Göttingen für unbestimmte Zeit zurechtfinden, was ja im übrigen auch für das Berufliche galt. Eigentlich eher ein Job für Studenten oder arbeitslose Lehrer, strebte ich einen Taxischein an. Lernunterlagen bekam ich von der Zentralstelle (damals am Rotherbaum ansässig), wöchentlich fand Unterricht statt, Straßennamen und Strecken wurden abgefragt, gleiches würde in einer Prüfung passieren. Unvorstellbar für heutige lohnabhängige Chauffeure von Mietwagen, im Zeichen von Routenplaner, Maps und Navigationssystemen, sich Straßennamen merken zu müssen, selbst Deutsch zu sprechen scheint manchmal keine Voraussetzung für die Ausübung „Taxifahrer“ zu sein. Ich brach die mich überanstrengenden Übungen bald ab, verdingte mich als Fahrer bei einem Pharma-Großhändler, was mir quasi bezahlten Unterricht zum Hamburger Straßennetz während meiner Arbeitszeit ermöglichte. Die Grundlage war für spätere, anders gelagerte, Studentenjobs damit gelegt.
Gehört zwar nicht unmittelbar zur Hamburger Geschichte, aber ist Teil meiner Zeit in Hamburg, und zwar die Zeitschrift Natur von Horst Stern. Hier das Cover und die erste Seite der regulären Erstausgabe aus dem Juni 1981:
Bei Interesse an dieser Erstausgabe melde man sich über das Kontaktformular. Für private Zwecke schicke ich sie per Email als PDF-Datei zu.
Vehementer Tierschützer und Umweltaktivist, stark verkürzt das Lebenswerk des 2019 verstorbene Wissenschaftsjournalisten. Vielleicht erinnere ich mich deshalb auch an ihn hier, weil er Mitbegründer von B.U.N.D war, bei einer deren Ableger ich in Hamburg beinahe nach einem Ausbildungsabschnitt ein Praktikum gemacht hätte.
1982 fror die Außenalster zu. Die Behörden gaben zunächst die Eisfläche nicht „frei“, dennoch wagten sich Mutige aufs Eis. Dann die Freigabe und es wurde ein zweites „Alstervergnügen“.
Das richtige Alstervergnügen fand stets am ersten Septemberwochenende statt und zog hunderttausende Besucher an:
Auf dem Rathausplatz
Im Sommer durften Hamburger und Besucher aus dem Umland sich im Stadtpark die Ohren bei Live-Konzerten zudröhnen lassen.
Frühschoppen, den machten wir, nebst Kleinkind, in der Fabrik. Die Fabrik existierte als Kulturzentrum 1982 bereits rund 11 Jahre, war etabliert als Treffpunkt der alternativen (Musik-)Szene. Besuche waren für uns Eltern nicht ganz uneigennützig, warum?, weil man Musik hören könnte, das Kind beschäftigt war, man Freunde traf, auch ein Bier durfte es mittags schon mal sein. Außerdem versuchten sich die Erwachsenen an Bastelarbeiten, soweit Material vorhanden war.
Shabby Chic, schon damals „in“
Im Stadtteil Hamm in der Chateauneufstraße ein zu einer Wohnung umgebautes Ladenlokal….
Die Hochschule für Wirtschaft und Politik, 1983 bis 1986 quasi mein 2. Wohnsitz, dort absolvierte ich ein Studium über den 2. Bildungsweg. Beginn des ersten Semesters war der 05.04.1983.
ca. 2009
Aus der Historie: 1970 ändert die Akademie ihren Namen in „Hochschule für Wirtschaft und Politik“ (HWP). Sie zog in das Gebäude Von-Melle-Park 9 um. Die HWP startete 1981 den erfolgreichen Modellversuch, neben den sechssemestrigen Abschlüssen einen neunsemestrigen Studiengang namens „Diplom-Sozialökonomie“ zu etablieren. Ab 1979 schloss der Absolvent mit einen Diplom-Titel das Studium ab.
Streiks waren in den 80er Jahren an der Tagesordnung, manchmal dauerten sie eine Woche und länger.
Während meiner Studienzeit streikten wir Studenten an der HWP vom 10.06. – 14.06.1985
Foto: dpa
Anmerkung am Rande: Als Lübecker darf ich hier erwähnen, dass der ehemalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Björn Engholm, hier ebenfalls studierte.
Bafög-los musste während der Studienzeit irgendwie Geld in die Kasse kommen. Schon mit den Basiskenntnissen der Hamburger Straßen ausgerüstet, fiel es mir leicht, Jobs anzunehmen, bei denen diese Kenntnisse förderlich für die Erledigung waren. Ich verdingte mich bei einem Betrieb, dessen Unternehmenszweck war, Heizkörper mit Röhrchen auszustatten an denen man den Verbrauch von Heizkosten ablesen konnte. Ebenso gehörte dazu, die Röhrchen abzulesen und anschließend gegen neue auszuwechseln. Mancher würde den Job als Akkordarbeit bezeichnen, tatsächlich erhielt man eine Pauschale pro erledigter Installation bzw. abgelesenem Röhrchen. Bei flexibler Zeiteinteilung trotzdem ein idealer Weg, studienbegleitend Geld zu verdienen und Hamburgs Stadtteile mit seinen Straßen besser zu verinnerlichen. Das beste daran war allerdings, sowohl den Hamburger Wohnraum als auch dessen -kultur durch alle Bevölkerungsschichten kennenzulernen, was nicht immer ein schönes Erlebnis war. Sozialarbeit leistete ich dabei, sprich, unterhielt ältere, meist alleinstehenden Damen bei einer Tasse Tee oder Kaffee kurzzeitig Gesellschaft, bekam Schokolade geschenkt oder ein höherer Trinkgeld. Nebenbei durfte ich das U- und S-Bahn der HVV unbezahlt benutzen, als Fahrgastbefrager. Auch das trug zu umfänglichen Hamburgkenntnissen bei.
Ein bisschen Sightseeing, einige Ecken von Hamburg waren für uns Neu-Hamburger 1983 noch unerforscht, obwohl wir in der Freizeit viel unternahmen (Boberger Dünen, Ochsenwerder, Duvenstedter Brook, Sülldorf, Harburger Berge usw.). Von hier oben sahen wir Hamburg allerdings nach rund 7 Jahren zum ersten Mal.
Auf dem zweiten Foto vorne links-mittig, der Zugang zu den Krameramtsstuben…..
…. und hier ein Bild aus dem Gang.
Aus dem Jahr 1984 sieht man hier Bilder von einer Demonstration auf dem Hamburger Rathausplatz. Anlass, wie man auf den Transparenten lesen kann, u.a. der NATO-Doppelbeschluss.
Winterlandschaft im Stadtteil Hamm, damals öfters als heute noch freie Parkplätze….
1988 waren E-Bikes weitestgehend noch unbekannt. Muskelkraft war bei Radfahrern gefragt, auch wenn es auf dem Radweg entlang der Elbe vom Fischmarkt bis Blankenese keine nennenswerten Anstiege zu bewältigen gab.
1989 fand im Stadtpark das Sport- und Trimmfestival statt, Veranstalter war der Hamburger Sportbund (HSB)
Stadtpark Hamburg
…. und Hafengeburtstag war – wie jedes Jahr – auch wieder.
Corona, bis dato kannten viele Menschen hier in Deutschland dieses Wort / den Begriff möglicherweise nur von einer spanischen Biermarke her. Doch dann änderte sich das schnell, im März begann die Schließung erster Geschäfte….
… und der Ort Wuhan in China war bald in aller Munde. Noch ahnten die wenigsten Menschen, dass die Schließung von Geschäften und Einrichtungen für längere Zeit das Leben in Europa und auf anderen Kontinenten prägen und viel Leid durch Tod und Krankheit mit sich bringen würde.
Knappheiten entstanden nicht nur bei Mehl, Zucker oder Toilettenpapier, auch Masken fehlten an allen Ecken. Selbsthilfe war deshalb angesagt…
„Abstand halten“ war bald ein geflügeltes Wort bzw. bitter Ernst gemeint…
Der Abstand war manchmal so groß, dass man gar keine Menschen mehr zusammen sah.
Drehbrückenplatz im April 2020
Ungeachtet der Epidemie und seinen Folgen verfolgten man in Lübeck die Umgestaltung der Beckergrube zu einer verkehrsberuhigten Zonen, in Teilen mit 20 km/h Höchstgeschwindigkeit.
So diffus wie die Lage seit Ausbruch der Pandemie war, so diffus erscheint die Brücke über die A20 am Kanal hier auf dem Foto…
Der Nikolaus schoss ein Bild von der Dankwartsbrücke aus, eins der bekanntesten Sujets Lübecks.
Die Fertigstellung der Bebauung des Gründerviertels verzögerte sich massiv, erst wenige Häuser sind bezogen (bspw. Alf-, Braun- oder Fischstraße)
Der Kiez, so wie ich ihn hier definiert wissen möchte, umfasst die Gegend zwischen Mönkhofer Weg, Billrothstraße, Kronsforder Allee und Kahlhorststraße. Der Großteil der hier verwendeten Straßennamen vermittelt Außenstehenden und Zugezogenen vermutlich das Gefühl, in einer Siedlung zu sein, das medizinischen Forschern und Ärzten gewidmet wurde (Helmholtz, Virchow, Robert-Koch etc.).
Nach dem Umzug 1959 in die Röntgenstraße gab es ringsum oftmals noch brachliegende Obstfelder, ungenutztes Ackerland und zerstörte Bunker aus dem 2. Weltkrieg. Gegenüber unserer Wohnung das Krankenhaus Süd (frühere Bezeichnung: Städtisches Allgemeines Krankenhaus; heute die Sana-Klinik) – „Süd“, weil so unterscheidbar zum „Krankenhaus Ost“ (heute: UKSH).
Die Wohnung bezogen wir im April.
Ein Bebauungsplan aus dem Jahre 1951:
Die Fotografierleidenschaft der Eltern in Bezug auf den Nachwuchs ließ nach dem Umzug rapide nach, es gab kaum noch Fotos von mir, meinen Freunden oder dem Umfeld unserer Wohnung.
In 1959 die Einschulung in die Klosterhof-Volksschule im Mönkhofer Weg.
Dorthin eine Art Fußweg… Links vom Weg hieß das Areal Jahns Feld, lange Jahre ein beliebter Tummelplatz für die umliegend wohnenden Kinder, Natur pur!
Fernsehen im eigenen Wohnzimmer war 1959 für vielen noch nicht möglich, zu teuer ein solches technisches Gerät in der Anschaffung. Doch Ende November, am 23. hatte das Warten ein Ende, der Fernseher Marke Kuba Imperial nahm Einzug ins Wohnzimmer. Wie man liest, auch hier wurde pragmatisch Teilzahlung vereinbart.
Der Ausschnitt im unteren Bild die Röntgenstraße (namentlich erstmals erwähnt 1952), diese Häuserreihe entstand zu Beginn der 1960er Jahre. Das Eckgrundstück an der Dorfstraße war im Besitz einer Frau Stapelfeld, daneben ein Gelände, das zur Gärtnerei Witt gehörte.
Konkret nahm die Planung und Bebauung des Eckgrundstückes im Jahre 1960 ihren Fortgang…
Links, durch die große weiße Tür (die damals biederer aussah), ging es früher in die „Kogge„, die Kneipe für ein schnelles Bier. Rechts daneben, befand sich die Konditorei Brandenburg (im Lübecker Adressbuch 1963 ff. aufgeführt) und daneben ein Frisörgeschäft namens Salon Mira (ab ungefähr 1970 führte den Salon eine Frau Böhnke). Zum Bäcker waren es von unserer Wohnung keine 200m. Ein Brötchen kostete weniger als 10 Pfennige. Außerdem beliebt die „ausgefegte Backstube“, sprich, die Rumkugel. Ebenso, insbesondere bei Kindern, der zerdrückte Negerkuss im Semmel.
An der Kreuzung Dorfstraße / Röntgenstraße befand sich im Erdgeschoss des Eckhauses A & O, ein Lebensmittelgeschäft.
Dort kauften Mädchen und Jungen auf dem Schulweg zur Volks- oder St. Jürgen-Realschule Süßigkeiten etc. Wo sich jetzt das mit Grün umwachsene Erdgeschoss im mittleren hellen Gebäudeteil befindet, da standen ab ca. 1970 für einige Jahre Zapfsäulen, an denen Autofahrer früher ihre PKW bei Texaco mit Benzin oder Diesel betankten.
Biegt man von der Kronsforder Allee in die Friedrichstraße ab, so befindet sich unmittelbar auf der linken Seite das Haus mit der Nummer 3, in dem man über Treppen ins Erdgeschoss gelangt. Hier eröffnete ich 1970 als Auszubildender (Lehrling sagte man ja früher) mein erstes Girokonto bei der Filiale der Dresdner Bank. Wie der geneigte Leser vermutlich weiß, die Dresdner Bank wurde 2009 von der Commerzbank im Rahmen einer Fusion „geschluckt“ und existiert nicht mehr. Aktuell residiert hier die Firma PC PRESS. Ein Geschäft für Surfbedarf hatte es in den Räumen ebenfalls mal gegeben.
Gegenüber verkaufte die COOP früher einmal Lebensmittel und Bedarf des täglichen Lebens.
An der Ecke zur Trendelburgstraße (Friedrichstraße 7) ein gut erhaltenes Gebäude mit Altbauwohnungen. Im Erdgeschoss residierte ehemals eine Drogerie (nach Adressbuchdaten ein Hermann Martin) , in der sich bis Ende der 60er Jahre Farben, Tapeten, Mausefallen etc. kaufen ließen. Die Gestaltung von Aufgang und Eingangstür (typisch für die damalige Zeit, der Eingang über das Eck) veränderte sich nach Sanierungsarbeiten (Aufgang entfernt bzw. Eingangstür zugemauert). Gegenüber auf der anderen Straßenseite (Hausnummer 4) ein Textilgeschäft, das unter „E. Pfeiffenberger“ firmierte.
Auf diesem Bild am rechten Rand bereits in Teilen sichtbar, ein kleineres freistehendes verklinkertes Haus. In dem bediente und werkelte lange Zeit ein Schuhmachermeister, heute eine rar gesäte Spezies. Dorthin brachte unsere Familie ihre Schuhe zur Reparatur.
Doch zunächst noch ein paar Schritte zurück auf die Kronsforder Allee.
Seit ca. 9 Jahren wohnt hier eine Familie, deren weibliches Mitglied ich just vor der Tür traf und wir kurz ins Gespräch kamen. Dass sich hier in dem Gebäude einmal ein Geschäft befand, das war ihr nicht bekannt. Vor ungefähr 50 Jahren sah das Haus selber anders aus, den Zustand würde ich mit „renovierungsbedürftig“ umschreiben. Als Kind lag das Augenmerk auf anderen Dingen. Hauptgeschäftszweck aus meiner Sicht war, Liebes-, Taschenromane, Comics und Kinderbücher für wenig Geld in Zahlung zu nehmen, ggf. zu tauschen und wieder teurer zu verkaufen. Ein mehr oder weniger stark frequentierter Laden zwischen meinem 8. und 13. Lebensjahr.
Wieder in der Friedrichstraße (erwähnt erstmals 1872 als Verbindungsweg zum Bahnhof der damaligen mecklenburgischen Eisenbahn), hier eine Aufnahme aus dem vorigen Jahrhundert….
Neben dem Haus des ehemaligen Schuhmachermeisters führt ein Fußweg an einem Spielplatz vorbei in die Sackgasse Friedrich-Ebert-Hof, von der man in die Helmholtzstraße gelangt. Hier prägt die rote Backsteinarchitektur der Wiederaufbauzeit das Straßenbild.
Der Hansa-Hof, ehemals Gemeinschaftshaus, später Gaststätte, Wahllokal und Treffpunkt von Skatspielern, dominiert die Gegend um die Virchowstraße / Trendelenburgstraße.
Nach Virchow, einst Arzt an der Berliner Charité, wurde die Straße 1926 benannt.
Bild Virchowstraße aus dem Jahre 1991
Mitte der 1920er Jahre Jahr begann der „Bauverein Selbsthilfe“ mit der Bebauung auf dem „Kahlhorst“, Grundlage für diese Siedlung. In den 50er Jahren setzte der „Lübecker Gemeinnützige Bauverein“ die Errichtung von Wohngebäuden fort.
Hier ein Plan für diese Siedlung aus der Zeit um 1927/28:
Gleich im Anschluss an den Hansa-Hof links die Fortsetzung der Backsteinhäuser. Vor meinem inneren Auge schossen Kindheitserinnerungen vorbei, der Friseur meines Vaters hatte hier, wo sich jetzt die drei Fenster befinden, seinen Salon. Meines Vaters Friseur, Egon Brandt, war lange Zeit unausweichlich auch meiner. Der Eingang im Gebäude mit der Hausnummer 14 befand sich dort, wo sich jetzt das mittlere Fenster befindet. Spätestens 1968 verweigerte ich dann den Gang zum Friseur, sprich: die Hippie-Zeit begann.
Fahren / Gehen wir ein Stück weiter zu der Ladenzeile in der Helmholtzstraße 15 auf der linken Straßenseite.
Heute ist das Gebäude kaum wiederzuerkennen, wenn man das Original aus den Anfängen der 1960er Jahre in Erinnerung hat. Der gesamte „Gebäudestrang“ von der Röntgenstraße hinauf zur Helmholtzstraße ward seinerzeit neu gebaut. Ein Fußweg verband bzw. verbindet noch die beiden Straßen. In diesem Haus am oberen Ende eröffnete Thams & Garfs eine Filiale, vermutlich so um 1967. Davon existiert (bisher) leider kein Bild mehr; dafür von einigen anderen Niederlassungen aus der Zeit…..
Nach einer Aussage von Anwohnern führte an diesem Standort nach der Schließung von Thams & Garfs Schlecker ebenso wie HL einer Filiale.
Eine alte Kaffeetüte von Thams & Garfs (aus den 1920er Jahren), neben anderen Zeitungsschnipseln gefunden 1994 beim Umbau unseres Hauses.
Die früher an fast gleicher Stelle existierende Ladenzeile (Helmholtzstraße 19 – 23) beherbergte u.a. das Seifenhaus Hansa, ein Milchgeschäft (Viergutz), einen Tabakladen (Kurt Wolff) und die Fleischerei Fritsch. Die Ladenzeile wich später einem Neubau. Nebenan betrieb Herr Witt weiter seine Gärtnerei.
Biegt man in die Dorfstraße (jetzt Fahrradstraße) Richtung Universität ab, so gelangt man mit der Billrothstraße auf die Adalbert-Stifter-Straße und trifft dort auf eine kleine Ladenzeile, in deren rechtem Teil die Bäckerei Friedrichs lange Jahre Brot und Brötchen buk.
Eine wechselvolle Geschichte erlebte dieses Geschäft, in dem nun eine Technikfirma Software produzierte / verkaufte und Virtual Reality schaffte. So ändern sich die Zeiten…..
Wieder zurück in die Röntgenstraße. In einem Sackgassenarm durch eine Mauer abgegrenzt das Areal des Krankenhauses Süd. Dahinter alter Baumbestand, der einen Sportplatz umrahmte (hier Winteransicht 1960). Der Sportplatz wurde von Schülern der (damals so bezeichneten) Kahlhorst-Schule benutzt.
Vaters erstes Auto, damals noch freie Parkplatzwahl
Vor einigen Jahren begann man am Rande des Krankenhausgeländes Eigentumswohnungen zu bauen (zweite Bild unten, am rechten Rand der Umrandung die fertiggestellte Gebäude), hier auf dem ersten Bild die Vorarbeiten sichtbar. Die Mauer musste „weg“.
Luftaufnahme „Lübeck ….“ von Bernard Mende
Auf dem nachfolgenden Bild stellt das umrandete Areal in etwa den Sportplatz dar, den ich vom Wohnzimmerfenster auf dem schwarz-weiß Bild weiter oben sehe.
Luftaufnahme „Lübeck ….“ von Bernard Mende
Außerhalb dieses Einzugsbereiches besuchte ich öfters den Kleingarten meines Großvaters, der sich in etwa dort befand, wo heute die Gebäude der Agentur für Arbeit und das Behördenhochhaus stehen…….
……., der zu einem Kleingartenverein gehörte und dessen Bereich bis in die Nähe des Elbe-Lübeck-Kanals reichte. Hier zwei Bilder mit Freunden vor seiner Gartenbude:
A. Bielefeld, seines Zeichen Direktor der damaligen LVA, setzte sich für die Schaffung von Arbeitergärten zur Förderung der Volksgesundheit ein. Den Ursprung dieser Kleingartenkolonie nahm sicher 1908 die Pacht eines Geländes an der Geniner Straße durch den „Vaterländischen Frauenverein des Roten Kreuzes„….
Aus: Lübeckische Blätter 2010, Heft 12, Seite 210
Fünf Jahre ging ich zur Volksschule, im letzten Jahr mussten wir Schwimmen lernen, in der relativ neuen Schwimmhalle aus dem Jahre 1959 in der Schmiedestraße.
Aus dem Lübecker Adressbuch 1963
Während meiner Volksschulzeit wurde viel gebaut, u.a. die Häuser in der Dorfstraße (siehe Bild weiter unten). Zum Vergleich: 1958 sah es in der Dorfstraße Richtung Kahlhorststraße noch so aus…
Privates Foto
Rechts der Straße ein langgestreckter Graben, weiter hinten die Felder von Gärtnerei Hass.
…… und ein Bild aus dem Jahre 1986, aus Sicht von der Kahlhorststraße kommend:
Dorfstraße
Beidseitig alles bebaut, Bunker und Gärtnerei weg, dafür massiv hochgezogene Mietshäuser bzw. Wohnraum in Eigentum und Stellflächen für die zunehmende Zahl an Automobilen.
Die an die Dorfstraße angrenzende Kalkbrennerstraße wurde 1960 eingeweiht und auch dort zog ein Bauherr mehrere Reihen Wohnblocks hoch, meist waren es hier Eigentumswohnungen. Für die St. Jürgen-Realschule, die zu der Zeit noch am Mönkhofer Weg in der Klosterhofschule mit untergebracht war, schuf man ein neuen Schulkomplex an der Kalkbrennerstraße, wo ehemals der Kinder „Spielwiese“ (Jahns Feld) lag. Richtfest für die Schule war am 13.04.1961.
Bunker und Felder (Teile gehörten einem Gärtner Hans-Hermann-Heinrich Hass) an der Dorfstraße wichen nun Reihenhaussiedlungen und Mietblocks. Letzte Reste von „Jahns Feld“ am rechten Bildrand. Vorne der 1962 entstandene Komplex der St. Jürgen-Realschule.
Luftaufnahme „Lübeck ….“; Bernard Mende 1968
Die Schule anfangs noch ohne Turnhalle, hier auf dem Bild diese ohnehin nicht sichtbar.
Das „Markenzeichen“ der Schule steht vor dem Haupteingang:
„Der St. Jürgen“ von Karl-Heinz Gödtke (1964)
Ein Ausblick in eine der begrünten Häuserschluchten zwischen den Blockreihen in der Kalkbrennerstraße:
1974
Dieser Block links entstand ca. 1963 als einer der letzten.
Aus der Realschulzeit:
Vor der SporthalleEingangsbereich und Pausentrakt
Die „Turnhalle„, so der offizielle Name, wurde der Nutzung am 05.05.1964 übergeben. Hier ein Planungsskizze…
Rund 325.000 DM waren für den Bau veranschlagt gewesen.
Und ein Bild aus dem Jahre 1968 vom neuen Sportplatz („Jahns Feld“ musste weichen) hinter der Schule, der den Schülern den Gang zum Grün für den Sportunterricht an der Klosterhof-Schule jetzt ersparte. Die Fußballschulmannschaft im Outfit der Schulfarben…
Zwei Ereignisse dürfen in dieser Ära natürlich nicht unerwähnt bleiben: am 21.07.1969 betrat der erste Mensch (Armstrong) die Oberfläche des Mondes, sprach den allseits bekannten Satz: „ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer für die Menschheit“ und am 15.08.1969 fand das legendäre Musikfestival „Woodstock“ statt.
Ungefähr 1970 begann dann die Hippie-Zeit…. ….zu dieser Ära siehe nächster Beitrag.
….. oder vorher noch über die Sommerferienzeit1969 auf dem Priwall lesen? Ein Saisonplatz auf dem Strandcamping Katt war mit Datum 01.06.1969 angemietet worden. „Bewohner“ waren im Pachtvertrag vermerkt: Neben dem Vertragspartner Harald (Vater), Anita (Mutter), Wilfried und Thomas (Schulfreunde)
Der Campingplatz lag unmittelbar hinter dem Passathafen. Seit 1958 betrieb die Familie hier diese Freizeitanlage (noch bis 2014 – dann musste dem Investor Hollensen aus Dänemark gewichen werden). Auf unserem Areal errichteten wir ein Steilwandzelt mit innenliegender separater Schlafkabine.
War es in der Flasche Sekt oder Selters?
Treffpunkt unserer Lübecker Clique mit Freunden mehrfach hier, teils mit Übernachtung. Gekocht wurde auch ab und zu, bspw. Miracoli Spaghetti. Anekdote am Rande: Einer der Freunde setzte einen Topf mit 3 oder 4 Litern Wasser für die Spaghetti auf, hatte die Gebrauchsanleitung, wo stand „3/4 Liter“, missverstanden. So einen großen Topf besaßen wir zwischen unseren Küchenutensilien gar nicht.
Schon auf dem Priwall gab es einen Summer of Love……. Die meisten Jugendlichen, viele davon aus NRW, die man auf dem Priwall antraf, kamen aus dem Camp von der nebenan gelegenen Jugendfreizeitstätte.
Treffpunkt war abends der Priwallstrand. Unverzichtbar war die Gitarre, die oft jemand mitbrachte und die Gruppe musikalisch unterhielt; Wein und Bier teilte man sich freundschaftlich.
Nach den Sommerferien begann das letzte Schuljahr.
Am 31.07.1970 wurde in der Bundesrepublik das Wahlalter von 21 auf 18 Jahre herabgesetzt. Bei der nächsten Bundestagswahl 1972 durften mithin viel mehr Jugendliche zur Urne schreiten. Noch eher die, die in Schleswig-Holstein 1971 einen neuen Landtag wählten.
Jugendliche gingen zu der Zeit in die Disco, das Angebot in Lübeck
Vorgänger: Tanzlokal Luisenlust und Ballhaus Vaterland; Nachfolger: Galaxis in der Falkenstraße; abgerissen ↩︎
Zuvor war die Disco ein Kino. 1969 baute man es in die „Diskothek Mad John“ um. Uwe Meetz legte hier Platten auf. In den Pausen sah man – wenn man dafür Augen hatte – Cartoons. Nach mehreren Besitzerwechseln wurde die Diskothek geschlossen und die Räume wurden zu einem Sport-Studio umgebaut. ↩︎
Wie Mad John, erst Kino (Holstentor), jetzt orientalischer Supermarkt ↩︎
Erst lag das Boot am Holstentor, dann am Kanal, wo es jetzt das Restaurant Sea-Side ist. ↩︎
Vorgänger: „Old Wheele“, dann Kult-Kneipe, jetzt Discothek „Hüx“ ↩︎
1996 fand die letzte Feier statt – derzeit Bauruine ↩︎
Etwas undeutlich zu erkennen, das Gringo, ehemals Holstentorkino.
Hier eine Anzeige für eine Veranstaltung im ABACO am 07.01.1995 in den Lübecker Nachrichten.
Und so sah es zu den besseren Zeiten im Holstentorkino innen aus….
Aus: Kinos in Lübeck von Petra Schaper
Der Kaisersaal mit der Gaststätte Haus Vaterland war ein Hort für all die Jugendlichen, die sich „anders“ fühlten. Anders im Sinne von „verschieden“ von den Typen, die ins Mad John oder ins Gringo gingen (abhingen, wie man heute wohl sagen würde). Das Anderssein betraf i.d.R. Kleidung, Haarlänge oder Konsum von Rauschmitteln.
„In“ war, sprich, als angesagt galt, neben den klassischen Jeans, einen grünlichen Parka oder eine halboffene Lammfelljacke zu tragen.
Innen sah es im Saal in den 70er Jahren ungefähr so aus (vereinfachte 3D-Animation aus dem Gedächnis):
Und hier die Möglichkeit, mit dem Video durch den Saal einen Rundgang nach Vervollständigung der Einrichtung durch mich zu machen:
Falls es – wesentlich! – anders aussah, gerne Erläuterungen oder Bilder zusenden.
Links und rechts der Tanzfläche hohe tragende Säulen (in der Zeichnung = gekreuzte Kreise), dazwischen abgetrennte Sitzgruppen mit Tischen. In Front die „Bühne“ (Live-Auftritte; sogar Otto gab hier Anfang der 70er Jahre seine Slapstick-Einlagen zum Besten) bzw. die Empore, auf der der Discjockey Platten auflegte. Am Eingang die Kasse, wo man neben der Eintrittskarte (gleichzeitig Verzehrbon) einen – nur unter ultraviolettem Licht sichtbaren – Stempel bekam. Links vom Eingang ein langgezogener Tresen mit Sitzhockern. Die Räumlichkeiten in ein dumpfes, schummriges Licht getaucht, bei dem die Besucher meist nur schemenhaft zu erkennen waren (was für manche Situationen sicher wünschenswert war.
Bei vielen Eltern und der Polizei galt der Saal als verrufen. Insofern verwunderte es nicht, dass mehr als anderswo Razzien bzw. Kontrollen nach dem Jugendschutzgesetz stattfanden. Manches „minderjährige“ Mädchen (Jungen eher weniger) wurde nach 22 Uhr erwischt und musste mit aufs Revier, wo Eltern sie dann abholen durften. Den Fans vom Saal war der schlechte Ruf (bei den spießigen Bürgern) egal, in der Regel blieben sie jedenfalls davon unbeeindruckt, denn der Saal war in den 1970er Jahren für viele eine abendliche / nächtliche 2. Heimat, in der man Gleichgesinnte traf, guter Musik (Geschmackssache) lauschte, manchmal sogar Live-Konzerte erlebte, und sich kulinarischen Genüssen im Vaterland bei „Egi“ hingab, die da waren Currywurst mit Ketchup und Kartoffelsalat oder Frikadelle mit Senf und Ketchup, wobei niemand so genau wissen wollte, was in den Frikadellen drin war.
Ob es wahr ist? Die Scorpions schrieben 1973 einen Song namens „Speedy’s coming„. Der soll angeblich dem im Saal in den Tanzpausen auf der Tanzfläche herumflippenden „Luftgitarrenspieler“ Speedy gewidmet sein. Nach 20- minütigem Pausenact war der Junge stets schweißüberströmt mit verklebten Zottelhaaren von der Bühne abgetreten. Tatsächlich traten die seinerzeit noch nicht so bekannten Scorpions einmal im Kaisersaal auf.
Wer Speedy nicht kannte, diese Karikatur aus dem Cartoon „ALT ist auch eine Taste“ kommt seinem Charakter und Aussehen ein bisschen nahe.
1991 schloss die Discothek nebst Kneipe seine Pforten. Die Frau von „Egi“ war bis zuletzt hinterm Tresen gestanden.
LN-Artikel vom 01.10.1991
Interessierte am Kaisersaal finden auf der Seite weitere Informationen.
Wenn nicht Disco, dann hieß es oft „ab ins Kino„, wo es damals noch eine gewisse Vielfalt an Locations gab.
Burgtor-Lichtspiele – Am Burgfeld
Rex – Kücknitz
Capitol Lichtspiele – Breite Straße
Eden-Lichtspiele – Königstraße
Holstentor Kino – Moislinger Allee
Lichtspiele Hoffnung – Hüxtertorallee
City – Königstraße
Zentral – Dr.-Julius-Leber-Straße Camera – Kronsforder Allee Stadthalle – Mühlenstraße St. Jürgen – Friedrichstraße
In der Hoffnung versuchte man es eine Zeit lang mit einem Café im Foyer...
Aus: Kinos in Lübeck von Petra Schaper
Kinowerbung vom 30.01.1970 (LN):
City wandelte sich 1991 zu „Moderne Zeiten“, aktuell firmiert hier das „Filmhaus“ (zum Cinestar gehörend), die Stadthalle nennt sich nun „Cinestar“, das Zentral ward zur „Comödie Lübeck“. Eden jetzt nach Gebäudesanierung ein Veranstaltungsort für Konzerte. Nicht vergessen werden sollte das KoKi, das Kommunale Kino in der Mengstraße.
Das Capitol war neben den Kammerspielen des Theaters jahrelang Spielstätte der Nordischen Filmtage. In einer Zigarrenschachtel aufbewahrt und wiedergefunden…..
Aus dem Buch „Kinos in Lübeck“ von Petra Schaper:
Als Jugendlicher durfte man nicht nur Spaß haben, selbst „nach der Schule“ war schon bald wieder „vor der Schule“, jetzt (1970 – 1973) ging es zur Kaufmännischen Berufsschule.
Zur Berufsschule musste man als Auszubildender (vormals: Lehrling) alle 14 Tage 1x wöchentlich (…oder war es sogar jede Woche 1x?) zum Ganztagsunterricht, der meist bis ca. 14 Uhr dauerte. Zur Berufsschule kommt etwas weiter unten noch ein kurzer Abschnitt. Meine kaufmännische Ausbildung begann ich in der Dorotheenstraße, gleich hinter dem Hochhaus an der Dükerbrücke, ganz in der Nähe der Wakenitz bei einem Automobilhändler. Im Erdgeschoss des Hochhauses befand sich dessen Ausstellungshalle für Neufahrzeuge.
Aufnahme aus den 60er Jahren
Wegen „Lehrlings-Mobbing“ brach ich meine Zelte in diesem Betrieb bereits nach einem Monat wieder ab.
Die Berufsschule in der Fischstraße entstand 1957…
Seit 1993 firmierte die Schule unter neuem Namen „Hanse Schule für Wirtschaft und Verwaltung“. Seit der Bebauungsplan für das Gründerviertel Bestand hatte, ward die Schule der Abrissbirne preisgegeben….
Ca. 2010
So um das Jahr 2013 verschwand sie vom Erdboden, bzw. bot nach dem Abriss den Archäologen ein Betätigungsfeld.
Kepa, ein Billigkaufhaus der Warenhauskette Karstadt, angesiedelt seit ca. 1963 in der Holstenstraße.
Abriss des Gebäudes um 1965 und Neubau. Aufgabe der Marke „Kepa“ 1976 mit Umwandlung in Sport Karstadt.
Leerstand seit etlichen Jahren, Das geplante Studentenwohnheim wurde nicht gebaut. Nun droht wohl bald der Abriss wegen Baufälligkeit.
Das Kolosseum war Ende der 60er Jahre umgebaut worden. Die Gemeinnützige (als Eigentümerin) erarbeitete 1972 mit einem Architekten eine konzeptionell kleinere Lösung, sprich, der Konzertsaal bot nach Umgestaltung nun 660 Besuchern Platz.
In den 70er Jahren fanden hier Rock-Konzerte statt bspw.
Alternativ strömten jugendliche Fans ihren Idolen damals in der Schwarzbunten an der Lohmühle entgegen, wo, wenn nicht gerade Rinder versteigert wurden, ab und an Rockkonzerte stattfanden.
Das 1. Altstadtfest begann am 24.08.1975. Ein Muss für jeden Lübecker.
Schon auswärts gewohnt, freute ich mich dennoch 1979 mit den meisten Lübeckern und Menschen aus dem Umland über das 3. Altstadtfest, das am 08.09.1979 begann.
Noch ein Artikel aus der Altstadtzeitung über die neue Musikhochschule in der Großen Petersgrube:
Zwar schon lange weg aus Lübeck, aber der Artikel aus den LN vom Januar 1995 über den Leichtathleten Lutz Philipp (der bis 1966 für den LBV Phönix startete) erreichte mich trotzdem auf verschlungenen Wegen. Er wohnte als Kind und Jugendlicher in der Röntgenstraße, wie seine zwei Halbschwestern, die manchmal zu unserer Spielclique gehörten.
Er starb 2012 in seiner Wahlheimat Darmstadt.
Die Zeit nach 1975 wurde außerhalb von Lübeck verbracht…..
Ende 2019 atmeten Autofahrer erleichtert auf, zumindest die, die Possehlbrücke nutzen wollten / mussten. Sie war uneingeschränkt für den Verkehr freigegeben, nach mehrjähriger Bauzeit. Hier ein Bild aus dem November 2021 von sogenannten „Restarbeiten“, sprich, der Abgang für Fußgänger und Radfahrer auf der Seite am Buniamshof wurde hergerichtet.
An einer Stelle wird erneuert, an anderer verliert die Stadt ein Stück ihres Gesichtes. Von weit her konnte man das Gasometer an der Geniner Straße als Herannahender in Richtung Lübeck sehen, neben den 7 Türmen ein weiteres markantes Merkmal für Besucher der Stadt. Die Ära ging nun zu Ende, der „Behälter“ wurde im November abgebaut.
Nikolaus oder Weihnachtsmann, wer könnte das in dieser Situation schon richtig unterscheiden. Jedenfalls ein ausgefallenes Transportmittel, leider nicht geeignet für größere Geschenke, wie Fernseher, Hund oder Schlitten.
Die Dr. Julius-Leber-Straße (zuvor hieß sie Johannisstraße), Nummer 23 meine Heimstatt der ersten Lebensjahre.
Aufnahme ca. Mitte / Ende der 90er Jahre (da noch im Hinterhaus das „Theater Haus“)
Zur Vorgeschichte, die aus Erzählungen meiner Mutter stammt:
1951 kam endlich die „frohe Botschaft“, eine Wohnung wäre in der Dr. Julius-Leber Str. frei. Onkel Herbert erreichte über einen Bekannten, der auf dem Wohnungsamt arbeitete, dass wir Anspruch auf eine neue Wohnung geltend machen konnten. Wir mussten eine freiwillige Spende für den Wiederaufbau Lübecks in Höhe von 250 Mark leisten (nur um die Relation zu diesem Betrag darzustellen: 1958 verdiente mein Vater 630 DM brutto). Wir renovierten schon im Januar 1951 unsere beiden Zimmer und die Küchenecke. Einen kleinen Balkon, Keller und einen Dachgarten hatten wir auch. Die Waschküche befand sich oben, so auch der Trockenboden.
Das Renovieren dauerte damals sehr lange. Erst befreiten wir die Wände von den uralten Tapeten und den sich darunter befindlichen Zeitungen. An den alten Tapeten ließ sich gut erkennen, wie finster die Leute früher gewohnt haben. Dunkellila und dunkelgrün, dann wieder Zeitungen, die übergestrichen waren, mindestens 6 Schichten kratzten wir von den Wänden. Anschließend verputzten wir die vielen Löcher. Tapeten besaßen wir nicht, erst klebten wir eine Lage Zeitungen auf, dann folgte ein einfarbiger Anstrich. Ein Muster rollten wir darüber, Ranken oder Blumen. Nach jedem Arbeitsgang hieß es „trocknen lassen“, was mehr oder weniger lang Warten bedeutete. Das verwendete Material war recht primitiv, u.a. Schlämmkreide. Bis die Wände fertig tapeziert, der Fußboden gesäubert waren usw., fix waren vier Wochen verstrichen. Wir freuten uns darauf, die Wohnung einzurichten.
Wohnzimmerschrank, Stühle und AnrichteMan beachte die Stundensätze für Handwerker und Gehilfen
Es fühlte sich himmlisch an, endlich hatten wir unser eigenes Nest, ein schönes Schlafzimmer, ein kombiniertes Wohn-/Esszimmer und eine Küchenecke, wo wir am Abend einen Vorhang vorziehen konnten, nicht zu vergessen, ein Bad. Was waren wir glücklich! Am 12.02.1951 waren wir offiziell in der Dr. Julius-Leber Straße 23 gemeldet.
Aktuelles Bild aus dem Jahre 2023
Und so sah es 1956 zu meiner Kindheit dort aus:
Über Autoverkehr verlor man damals kaum ein Wort. Auf Wanderschaft von den Großeltern (Hausnummer 29) zurück zur elterlichen Wohnung vor dem Zentral-Kino:
Zum Vergleich ein Bild aus einem späteren Jahrzehnt, einer stärker motorisierten Ära.
Und ein Bild aus dem Innenhof, von dem man den Balkon nebst Fenster zum Wohnzimmer unserer ehemaligen Wohnung sehen kann.
Aufnahme aus dem Jahr 2023 (eigenes Foto)
Heute werkelt hier im Nebengebäude links ein bekannter Lübecker Künstler, macht Leuchtdesign. Einen Spiegel ließ ich einmal in den 1990er Jahren bei ihm in der Hüxstraße fertigen.
Wo trieb man sich damals als „kleiner Mann“ herum? Auf dem Markt oder vor dem Holstentor, natürlich nicht unbeaufsichtigt.
Bevor ich erstmals den Markt betrat, da sah es hier um 1950 so aus:
Die Großmutter mütterlicherseits, strenges Regiment, aber herzensgut, jedoch hatte ich nicht allzu lange etwas von ihr. Sie starb am 17.02.1964.
Der Papa ging ebenso wie die Mama mit mir auf dem Markt Tauben füttern:
1952 gab es in Lübeck 12.613 PKW.
Das war die Zeit zwischen 1955 und 1956. Das Terrain wurde von Automobilen und Tauben dominiert.
Vor dem Holstentor, da wachten die beiden Löwen. Ich saß gerne auf den bronzenen Löwen, vorsichtshalber wählte ich allerdings stets den „schlafenden“ Löwen.
Das war ungefähr im Herbst 1955. Wie man im Hintergrund deutlich erkennen kann, fuhr da noch die Straßenbahn durch Lübeck. Erst im Erwachsenenalter erfuhr ich mehr über diese beiden Löwen, die nicht immer hier an dieser Stelle das Holstentor „bewachten“. Erschaffen hatte sie C. D. Rauch. Bis 1840 standen sie in der Großen Petersgrube 19 bei einem Kunstsammler namens Johann Daniel Jacob. Im Jahre 1873 fanden sie einen neuen Standort, damals am Hotel Stadt Hamburg auf dem Klingenberg. Nach der Zerstörung des Hotels im Jahre 1942 gelangten sie an den jetzigen Platz vor dem Holstentor. Sein nicht schlafender Pendant sieht so aus:
Kleiner Rückblick „vor meine Zeit“: es ist das Jahr 1950. Kommen wir auf das Haus Nummer 29 in der Dr. Julius-Leber-Straße zurück. Im Erdgeschoss betrieben Onkel und Tante ein Kolonialwarengeschäft….
Mehr oder weniger, die Familie mütterlicherseits, hier vereint beim fröhlichen Feiern eines Jubiläums. Ob der Opa hier auf den Auslöser gedrückt hatte, leider nicht mehr in Erfahrung zu bringen.
Onkel und Tante wohnten in der Königstraße…..
….. also war das Geschäft in der Dr. Julius-Leber-Straße schnell fußläufig zu erreichen. Gewohnt haben sie in einem der Häuser (Nummern 98-102) links vom Bus aus gesehen.
…… und einen Hund hatten sie ebenfalls, „Batzi“ wurde er gerufen; was für eine Rasse das war, mir unbekannt.
1958 Himmelswiesen
Die typische Hinterhofatmosphäre des Hauses Dr. Julius-Leber-Straße Nr. 29 blieb über die Jahrzehnte in meinem Gedächtnis haften…..
So sah das Haus Nummer 29 im vorigen Jahrhundert frontseitig aus (ab 1988 stand das Haus unter Denkmalschutz):
Das nächste Foto stammt aus dem Jahre 2011, in großen Teilen renoviert / saniert (hier hofseitige Ansicht). Links hinter der dünnen Hecke, die die Abgrenzung zum Zentral-Kino (später Volkstheater Geisler (2002), ab 2023 dann Comödie Lübeck) bildete. Hier verließen die Besucher nach Ende der Vorstellung durch einen Nebenausgang den Kinosaal, hinaus auf die Dr. Julius-Leber-Straße.
Alte Fotos aus der Wohnung meiner Großeltern sind leider nicht erhalten geblieben. Den Hausflur zu Nummer 29 betrat man durch eine Doppeltür, links das Geschäft meines Onkels (siehe weiter oben kleines Foto rechts). Umso erfreulicher empfand ich die Gelegenheit im Rahmen des Tages des Denkmals 2011 die Wohnung besichtigen zu können. Das Haus befand sich in den Händen eines neuen Besitzers, der über einen längeren Zeitraum die Sanierung dieses umfangreichen Projektes betrieb.
Ich konnte es kaum glauben, der Aufgang zur Eingangstür der Wohnung meiner Großeltern sah nach rund 50 Jahren noch fast genau so aus, wie ich ihn vom letzten Besuch kannte. Vielleicht trug das Holz eine andere Farbe, denn ich meinte mich an ein „Grün“ zu erinnern. Die Gemeinschaftstoilette befand sich auf dem Zwischengeschoss.
Das Zimmer, es handelte sich um eine Einzimmerwohnung, erreichte man über einen schmalen Flur, von dem links ein Küchenraum abzweigte, über eine kleine Treppe. Am Fenster stand der Tisch mit Stühlen, das Fenster hier ist neu, sah aber farblich ähnlich aus. An dem Tisch spielte ich mit „Opa“ Karten, „66“ oder Mau Mau etc. Ein Kohleofen half über den Winter. Das Bett befand sich gleich hinter dem Aufgang rechts. In der Küche gab es einen mit Holz und Kohle befeuerten Herd.
Vom Hausbesitzer erfuhr ich, dass man bei Abriss und Umbauarbeiten einen versteckten Raum entdeckt hätte. War es doch eine Zweizimmerwohnung?
Ohne Jahreszahl ein schwarz-weiß Bild, auf dem das Haus bzw. die Wohnung (oben rechts) im äußeren desolaten „Originalzustand“ zu sehen ist.
Und so sah es 2023 im Hinterhof und im Hausflur aus:
Durchgangstür hin zum HinterhausTreppenaufgang zum 1. Stock (separate Wohnung)Inschrift über ein Hochwasser im Jahre 1714Innenhof und HinterhausNebeneingang zum Innenhof
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