Kuriositäten aus früherer Zeit

….., nicht alles ist „kurios“, aber aus heutiger Sicht zumindest bemerkenswert, absurd, oder einfach nur „komisch“, manchmal hat etwas auch einen gewissen Seltenheitswert.

Aus dem Jahr 1894 sei hier eine Werbung für eine Creme vom 25.12. nur deshalb erwähnt, weil als Lieferant hier Max Jenne als Großhändler (Engros…) genannt wird. Jenne war ab 1970 mein Ausbildungsbetrieb für Groß- und Außenhandelskaufmann.


Gestorben wurde ja schon immer, bspw. auch im Februar 1895. Hier die Todesursachen-Statistik für Lübeck

„Angeborene Lebensschwäche“, was sich dahinter wohl verbirgt? 15 Todesfälle bei Lungenleiden, zu kalt in den Häusern und Wohnungen oder wurde zu viel geraucht?

Aus gleicher Ausgabe stammt diese Anzeige zur Bekämpfung von Ungeziefer :

Das alles gab es in einem „Drogengeschäft„! Wie sich Bedeutungen doch im Lauf der Zeit verändern!


Ändern wird sich vermutlich nie etwas daran, dass einzelne Personen versuchen, bei Prüfungen durch Schummeln einen Vorteil zu erlangen. Nicht anders kann man diese Nachricht („dispensirt“) vom 13.03.1895 aus dem Fürstenthum Lübeck interpretieren.


1899 warb man bei den Lübeckischen Anzeigen in der Neujahrsausgabe auf einer Seite für „alles“, ob Versicherung, Glückslose, Champagner, Kohle, Kaffee oder eben auch für so was:


Aus der Ausgabe vom 03.01.1899 fand ich diese interessante Stellenanzeige des Allgemeinen Krankenhauses:

Ausbildung oder Studium benötigte man seinerzeit für einen Beruf im Gesundheitswesen offensichtlich nicht unbedingt.


Kopfschmerz, den hätte heutzutage sicher ein Datenschutzbeauftragter mit der Veröffentlichung der nachfolgenden Daten aus den Lübeckischen Anzeigen vom 25.02.1904:

Etwas schwer zu erkennen war eine weitere Nachricht aus der Rubrik „Kunst und Wissenschaft“ vom gleichen Tage, deshalb in Klartext hier:

Fortschritte in der Funkentelegraphie: Dem Luftschifferbataillon ist es jetzt gelungen, durchaus brauchbare Funkentelegraphiestationen zu konstruieren, die mit Schreibapparaten bis auf 50 km, mit Hörapparaten bis auf 100 km Nachrichten übermitteln können. 

Nur eine Ausgabe später stieß ich auf diese Werbeanzeige (dazu muss man wissen, dass seit kurzer Zeit ein Krieg zwischen den beiden Ländern ausgebrochen war):


Eine Gegendarstellung, veröffentlicht am 20.04.1904. Darin wird kundgetan, dass die Bevölkerung keine Angst haben muss, am nächsten Tag kein Brot mehr kaufen zu können.


Cognac zum Selbermachen, fast alles ließ sich mit Mellinghoff’s Essenzen günstig herstellen, so warb man im Januar 1905. Die Essenz war u.a. bei Max Jenne zu beziehen.
Max Jenne ein Pharmagroßhändler (auch heute noch), bei dem ich meine Ausbildung 1970 als Groß- und Außenhandelskaufmann begann.

Wie wichtig die Gesundheit des Adels zu sein schien, bezeugt die Nachricht vom 03.02.1905 aus der Rubrik „Neueste Nachrichten und letzte Telegramme“ über den Zustand vom preußischen Prinzen (2. Sohn von Kaiser Wilhelm II.) und Generalmajor:


Keine Hundert Jahre dauerte es, bis Musik gestreamt wurde, von überall auf der Welt kann ein Musikliebhaber über das Internet auf Millionen Titel zugreifen und sie (oft gegen Gebühr) auf dem Smartphone abspielen. Wie anachronistisch wirkt dagegen diese Anzeige vom 15.05.1913:

Dräger, das Lübecker Weltunternehmen, in der Medizintechnik zu Hause, seine Wurzeln fußen auf einer Erfindung zur regulierten Kohlensäureabgabe, ein Ventil, das es ermöglichte, kontrolliert Kohlensäure aus einer Hochdruckstahlflasche zu entnehmen. Johann….

……bastelte mit seinem Sohn Bernhard, bis er zum 31.03.1889 das Patent 52238 für diese Erfindung erhielt. Danach entwickelte man Atemschutzgeräte, die zunächst vor allem in Bergwerken eingesetzt wurden. Vom 16.05.1913 liegt ein Eintrag für einen Atmungsapparat vor. Möglich, dass es sich um eine Ergänzung oder Verlängerung handelte.


Ein – hier nachgeschriebener – Aufruf in den Lübeckischen Anzeigen vom 22.04.1917, also in einem der Kriegsjahre des 1. Weltkrieges:

Die Flieger-Liebesgaben-Zentrale richtete an den Verwaltungsausschuß für den Lübecker Flugstützpunkt sowie an die Nordwestgruppe des deutschen Luftfahrer-Verbandes und an den Lübecker Verein für Luftfahrt nachfolgendes Schreiben: 
„Die der Liebesgaben-Zentrale für die Fliegergruppen anläßlich des letzten
Weihnachtsfestes in so reichem Maße zur Verfügung gestellten Liebesgaben sind rechtzeitig zweckentsprechend verteilt und von den Truppen an den verschiedenen Fronten mit dankbarer Freude entgegengenommen worden.
Die rege und erfolgreiche Tätigkeit unserer tapferen Flieger in den verflossenen Monaten hat zur Genüge die Dankbarkeit derselben bewiesen und Großes wird noch geleistet werden müssen, bis der endgültige Sieg errungen ist.
Da gilt es denn auch weiterhin der mutigen Kämpfer in der Luft zu gedenken und ihren schweren und gefahrvollen Dienst durch erneute Zuwendung von Liebesgaben erleichtern zu helfen.
Wir wenden uns daher wieder an den hochgeschätzten Verwaltungsausschuß für den Lübecker Flugstützpunkt und an die Nordwestgruppe des Deutschen Luftfahrer-Verbandes sowie an den Lübecker Verein für Luftfahrt mit der freundlichen Bitte um baldmögliche Zuwendung von Liebesgabenspenden, welche in gewohnter Weise der Fliegerabteilungen aller Fronten demnächst zugeführt werden sollen.“
In Erkenntnis der Notwendigkeit, den im Felde befindlichen Fliegern und Luftschiffbesatzungen die erbetene Unterstützung angedeihen zu lassen, wendet sich der unterzeichnete Verwaltungsausschuß an Lübecks Bevölkerung und bittet um Stiftung von Geldbeträgen sowie zweckdienlichen Gegenständen.
Geldspenden werden auf das Konto „Flieger-Liebesgaben“ bei der Commerzbank erbeten.
Pakete werden entgegengenommen im Hause der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit, Königstraße Nr. 8 und in der Geschäftsstelle Johns. Pr. J. Moller, Israelsdorfer Allee Nr. 13 2.
Der Verwaltungsausschuß für den Lübecker Flugstützpunkt.
Senator Fr. Ewers. Senator Dr. jur. C. Lienau. Generalleutnant……..

Auf der Folgeseite der gleichen Ausgabe dann diese Anzeigen:

Also auch zu der unsäglichen Zeit von Giftgaseinsätzen und todbringenden Grabenkämpfen fand man in der Heimat Zeit, sich bei einem „Bunten Abend“ zu amüsieren.


Gefunden bei dem elterlichen Nachlass, die Original-Erstausgabe der Lübecker Nachrichten vom 01.01.1946. 4 Seiten umfasste die Zeitung.

2024 – Januar –

03.01.2024

Ich sollte mich nicht beklagen, habe ein Dach über dem Kopf, das Geld ist regelmäßig auf dem Konto, bin bei Verstand und halbwegs gesund. Andernorts herrschen Kriege (Israel, Ukraine) bzw. Nahrungsknappheit, bei Kälte Unterkunftmagel, mancher verlor Hab und Gut oder seine nächsten Angehörigen. Der Fatalist würde sagen, das gab es immer schon, wobei die Tatsache bspw., dass es Kriege mit allen seinen Folgen gab, nicht abstreitbar ist.
Über 50 Kriege fanden bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts statt, im nächsten Jahrhundert waren es schon über 60 ausgetragene Konflikte. Zwischen 1800 und 1900 stieg die Zahl der gegenseitigen Vernichtungsversuche auf rund 120. Die Menschen können scheinbar nicht friedlich miteinander leben, denn die Zahl der mit Waffen ausgetragenen Auseinandersetzungen erhöhte sich auf fast 140 bis zum Ende des 20. Jahrhunderts.

Hat jemand mal errechnet, was an Material verbraucht wird, was an Substanz zerstört wird, wie viel fossile Energie für die Kriegsmaschinerie benötigt wird, welche Menge CO2 dadurch freigesetzt wird, was danach alles für eine Wiederherstellung des „Normalzustandes“ eingesetzt werden muss?

Bei Weitem sind Kriege aber nicht alles, welche menschliches Dasein vernichten oder sie Leid über größere Bevölkerungsteile ergießen wie ein riesiger Lavastrom, ebenso zerstören Naturkatastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen, Waldbrände oder Dürre Lebensraum, wohlweislich nicht nur von Menschen. Neben diesen existieren darüber hinaus Unglücke, die durch menschliches Fehlverhalten oder technische Mängel entstanden. Hier wären zu nennen Chemieunfälle (bspw. 1968 in Seveso oder 1921 bei BASF), Staudammbrüche, Gebäude- und Brückeneinstürze (bspw. 2018 bei Genua), zudem gab es Seuchen und Pandemien, nicht zu vergessen die Reaktorunglücke (Tschernobyl bspw.).

Zwischen all diesen „Misslichkeiten“ gelang es einzelnen Menschen, die geschundene Menschheit durch ihre Leistung moralisch wieder aufzubauen, sei es durch Musik, Kunstwerke, Literatur oder Erfindungen / Entdeckungen sowie karitative Hilfen.
Bei Erfindungen / Entdeckungen braucht man lediglich an der Oberfläche dessen zu schürfen, was wir „segensreich“ und lebensrettend für die Menschheit nennen, Impfstoffen (Pocken, Tetanus), Medikamente (Antibiotika, Insulin) oder sauberes Wasser (Chlor o.ä.).
Literatur kann uns in schwersten Stunden mit ihren trostspendenden Inhalten Hoffnung auf eine bessere Zukunft geben, sogar Kinder (wohl auch Erwachsene) finden in Romanen wie „Momo“ eine perspektivische Sicht auf den Lauf der Dinge und was im Leben wirklich wichtig ist.

„Die Kleine Nachtmusik“ von Mozart lässt bei vielen Menschen ebenso Heiterkeit aufkommen wie Zuversicht bei Freddie Mercurys „We are the champions“ oder beim Anblick der Mona Lisa uns freudige Ehrfurcht ereilt. Albert Schweitzer oder Mutter Teresa, wem würde bei diesen Namen nicht selbstlose Hilfe für Andere einfallen, gäbe es mehr von ihnen, wäre die Welt dann eine bessere?


09.01.2024

Spaziergang am Kanal, fast windstill war es am Nachmittag, kalt, die Sonne verabschiedete sich langsam vom Tag. Am gegenüberliegenden Ufer das Gelände von Holz Michelsen….,

…..schon länger verlassen, Grund: Standortverlagerung in ein anderes Gewerbegebiet. Ein Teleskopkranarm ist erkennbar, an dem größere Teile vom Dach abgehoben werden. Ist das der Beginn der Abrissarbeiten, Vorarbeit für den Bau des neuen Wohngebietes „Geniner Ufer“?


10.01.2024

Die protestierenden Bauern waren heute in Lübeck wieder stark aktiv. Auf der Lachswehrallee, wie an einer Perlenkette hupten und tröteten die Bauern, fuhren sie im Schneckentempo Richtung Lindenplatz, wo sich Bus- und Autofahrer im Berufsverkehr auf ihre Ankunft und den verursachenden Stau freuten.


11.01.2024

Wer steigt da noch durch? Agrarsubventionen

ELER = Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes
EGFL = Europäischer Garantiefonds für die Landwirtschaft
GAP = Gemeinsame Agrarpolitik (Alle EU-Mitgliedstaaten müssen für die neue GAP-Förderperiode ab 2023 erstmals einen Nationalen Strategieplan für die 1. und die 2. Säule der GAP entwickeln – auf Basis der geltenden GAP-Strategieplan-Verordnung der EU.)

…..bis einschließlich 2014 galt eine Betriebsprämie, die danach durch ein System aus Direktzahlungen bestehend aus Basisprämie, Umverteilungsprämie, Greeningprämie und ggf. Junglandwirteprämie ersetzt wurde.

Der GAP-Strategieplan gliedert sich nach den neun Spezifischen Zielen (SZ) und dem Querschnittsziel.

  • SZ 1 – Einkommensunterstützung und -stabilisierung sowie Resilienz landwirtschaftlicher Betriebe auch im Hinblick auf die Ernährungssicherheit;
  • SZ 2 – Förderung der Wettbewerbsfähigkeit und Beibehaltung der Marktorientierung;
  • SZ 3 – Stärkung landwirtschaftlicher Betriebe in der Wertschöpfungskette;
  • SZ 4 – Beitrag zum Klimaschutz und Anpassungen an den Klimawandel;
  • SZ 5 – Nachhaltige Entwicklung und effiziente Nutzung von Ressourcen;
  • SZ 6 – Beitrag zu Natur- und Landschaftsschutz;
  • SZ 7 – Förderung von Junglandwirtinnen, Junglandwirten und Existenzgründungen im ländlichen Raum;
  • SZ 8 – Förderung von Beschäftigung, Wachstum, der Gleichstellung der Geschlechter, sozialer Integration und lokaler Entwicklung in ländlichen Gebieten einschließlich der Bioökonomie und nachhaltiger Forstwirtschaft;
  • SZ 9 – Gesellschaftliche Erwartungen an Ernährung und Gesundheit;
  • Querschnittsziel – Wissen, Innovation, Digitalisierung

  • Die dargestellten Finanzmittel (im Folgenden indikative Mittelzuweisung) setzen sich aus EU-Mitteln und nationalen Kofinanzierungsmitteln zusammen. Die von der EU zur Verfügung gestellten Finanzmittel speisen sich aus unterschiedlichen Fonds (Mittelherkunft), den sogenannten zwei Säulen der GAP:
  • 1. Säule – Europäischer Garantiefonds für die Landwirtschaft (EGFL):
    • Direktzahlungen (DZ)
    • Sektorprogramme (SP)
  • 2. Säule – Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER)
    • ELER (EL)

ELER 2023 – 2027

Auch in der Förderperiode 2023 bis 2027 wird der ländliche Raum durch den ELER unterstützt. Dabei sollen mithilfe des Fonds auch europäische Strategien wie der „Green Deal“, die Strategie „Vom Hof auf den Tisch“ und die „Biodiversitätsstrategie“ zum Schutz der natürlichen Ressourcen umgesetzt werden.

In Bayern werden folgende Programme im Rahmen des GAP-Strategieplanes umgesetzt:

  • Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) und Vertragsnaturschutzprogramm inklusive Erschwernisausgleich (VNP)
  • Einzelbetriebliche Investitionsförderung: Diversifizierungsförderung (DIV) und Agrarinvestitionsförderprogramm (AFP)
  • Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete (AGZ)
  • Förderung von Mehrgefahrenversicherungen in der bayerischen Landwirtschaft (MGV)
  • Europäische Innovationspartnerschaft (EIP-Agri)
  • Integrierte Ländliche Entwicklung /Dorferneuerung
  • LEADER
  • Marktstrukturförderung
    aus: https://www.stmelf.bayern.de/foerderung/eler-europaeischer-landwirtschaftsfonds-fuer-die/index.html

Aus dem Investitionssteckbrief zu GAP-Strategieplan von der Seite www.bmel.de:

Was wird gefördert?

Nichtproduktive Flächen auf Ackerland

…… Anlage von Blühstreifen oder -flächen auf Ackerland:
▪ Blühstreifen oder -flächen müssen eine Mindestgröße von jeweils 0,1 Hektar aufweisen.
▪ Ein Blühstreifen muss auf seiner überwiegenden Länge mindestens 20 Meter breit und darf höchstens 30 Meter breit sein. Eine Blühfläche ist eine nicht streifenförmige Fläche mit einer Höchstgröße von 1 Hektar je Blühfläche. Blühstreifen von mehr als 30 Meter Breite gelten als Blühfläche. Ein Blühstreifen oder eine Blühfläche muss durch eine Saatgutmischung gemäß nationaler Verordnung etabliert worden sein. Die Länder können diese Listen anpassen, sofern dies erforderlich ist, um besonderen regionalen agrarstrukturellen oder naturschutzfachlichen Gegebenheiten Rechnung zu tragen.

Alles klar?

Fast 7 Milliarden Euro flossen 2021 den deutschen Bauern, Gemeinden und / oder Unternehmen an Agrar-Subventionen aus Brüssel zu. Damit stand Deutschland auf dem 3. Platz in der Tabelle der höchstgeförderten Ländern hinter Spanien und Frankreich.

Ca. 1% der Empfänger erhalten fast ein Drittel aller Subventionen, das waren in erster Linie Großbetriebe, Genossenschaften und öffentliche Einrichtungen. Vielfach profitieren branchenfremde Institutionen von den Zuschüssen, in Österreich und Polen bspw. die Katholische Kirche. Sogar Bayer, BASF und der Energiekonzern RWE blieben nicht ohne Geld aus Brüssel. Wofür? Laut Beitrag vom 01.12.2022 auf tagesschau.de baut Bayer Futtermittelpflanzen an, um dort seine Pflanzenschutzmittel zu erproben. Ebenso bedienen sich über Stiftungen große Einzelhandelskonzerne (bspw. ALDI) aus dem Brüsseler Topf.

Interessant dazu auch der Artikel von correctiv.org

Der Ort Zarrentin in MV erhielt bspw. 2022 über „ELER“ aus dem Programm „Integrierte ländliche Entwicklung / Dorferneuerung“ 1.298.195,52 € für „…….die Dorferneuerung und dem ländlichen Charakter angepasste Infrastrukturen (einschließlich Breitband und erneuerbare Energien). Die Maßnahmen dienen dem Erhalt und der Stärkung einer wettbewerbsfähigen Landwirtschaft, dem Erhalt und der Entwicklung von Biodiversität, dem Schutz und der Entwicklung des Grundwassers und der Oberflächengewässer sowie der Bewältigung des demografischen Wandels einschließlich Erhalt der Daseinsvorsorge und Lebensqualität in den ländlichen Räumen.“ aus: Agrarstatistik 2022 von Proplanta

Warum Agrar-Subventionen für die Bewältigung des demografischen Wandels? Wäre nicht durch Förderung bei Städtebau und Infrastrukturmaßnahmen diesem Problem Rechnung getragen?

Bis 2026 sollen die Agrar-Subventionen um ca. 5% abgebaut werden.

Wogegen richten sich jetzt die Proteste und Demonstrationen?

Ursprünglich sollte die Subventionierung des Agrardiesels laut Bundesregierung in 2024 um 40% und in 2025 und 2026 um 30% abgebaut werden.
In 2023 betrugen die Subventionen für Agrardiesel 440 Millionen Euro und für die Befreiung von der Kfz-Steuer 485 Millionen Euro. (BMF 2023).

Die Einkommensseite in der Landwirtschaft:

Differenziert nach Betriebsarten:

Geht es den Bauern nun wirklich so schlecht?

13.01.2024

Wieder demonstrierten die Bauern und Sympathisanten und blockierten in Lübeck die Zufahrt zur Altstadt (hier auf der Possehlstraße). Was verbraucht eigentlich so ein Traktor auf 100 Km? Wie viel CO2 stießen die Traktorfahrer (unnötig) in die geplagte Atmosphäre? Fußläufige Demo wäre wohl zu anstrengend gewesen. Das sei aber nur am Rande vermerkt und nachgefragt.


Anderes Thema: Die Diskussion über die Liberalisierung von Cannabis schlug und schlägt ja nach wie vor hohe Wellen. In der Stadtbibliothek bin ich bei einer Recherche in den Lübecker Nachrichten auf einen Artikel „Meinung“ vom Januar 1995 aufmerksam geworden:

Also eigentlich gar kein neues Thema, und schon damals gab es kluge Leute, die Cannabis aus der „Schmuddelecke“ des Drogenmilieus durch Legalisierung holen wollten. Gegner gab es genug, Tabakindustrie, Pillenhersteller oder die Alkoholgenussmittelindustrie wollten kein viertes Standbein legal suchtfördernder Substanzen.

17.01.2024

Nun ist es endlich Fakt, Karstadt ist nach 140-jähriger Geschichte in Lübeck Vergangenheit. Geschlossen ab gestern die Tore, das letzte Interieur zu Spottpreisen noch schnell verramscht. Wer trauert jetzt mehr um diesen siechenden Kaufhauskoloss, die – ehemaligen – Kunden oder vielmehr die Konkurrenz, die im „Sog der Angebotsvielfalt“ von dem Kaufhausriesen durch Kundenzustrom profitierte?
Sogar 14 Tage vor dem angekündigten Termin beendete man das Drama, das 2019 mit der Aufgabe von Sport-Karstadt seinen Anfang nahm, sich mit der Schließung des Komplexes am Schrangen etwas später fortsetzte und nun mit der Schließung des Haupthauses sein Ende fand.
Keine 29 Jahre nach dem Neubau des Hauses A, für das in einer ganzseitigen Anzeige 1995 in der Neujahrsausgabe der LN es so im Untertitel der Überschrift formuliert stand: „Mit dem Baubeginn des Hauses A stehen klare Perspektiven für das neue Jahr bevor. Ein Ende der „Durststrecke“ ist in Sicht.“ Weiter heißt es im Text: „Als Entschädigung für diese Durststrecke bietet die Karstadt AG ein Kaufhauskonzept für das kommende Jahrtausend.“

Was derzeit von dem Konzept für dieses Jahrtausend bisher blieb, ist ein Drogeriemarkt „dm“ im Untergeschoss sowie ein Edeka-Supermarkt, Überlegungen der Hansestadt zu einem möglichen Umbau des Hauses B zu einem Bildungskomplex für Schulklassen, Musik- und Hochschule etc.

Ein Leerstand als Lehr-Stand! Wie könnte man es jetzt für den Rest des Jahrtausends besser machen?


27.01.2024

In Lübeck regte sich erneut Widerstand gegen „Rechts“, nach Zeitungsangaben seien mehr als 10.000 Menschen auf die Straße gegangen, um zu zeigen, dass es keine Rückkehr zu einem Regime geben soll, das Mitbürger zwangsweise „irgendwohin außer Landes schickt“.

Selbst nahmen wir nicht teil, weil wir eine schon länger geplante und bezahlte Veranstaltung in Hamburg besuchten, die Ausstellung in der Kunsthalle anlässlich 250 Jahre Caspar David Friedrich.

Im Kolosseum in Lübeck trat abends Miss Allie auf, das erste Mal in Lübeck, begeisterte sie die überwiegend jungen weiblichen Fans. Einen tollen Moment hatte sich ein junger Mann ausgesucht, wohl mit Zustimmung der Künstlerin machte er nach der Pause im Saal unter Beifall, ja fast Jubel, seiner Freundin einen Heiratsantrag, den sie auch noch annahm.

Hier ein Pausenfoto vom Merchandisingstand:

Bild aus dem Jahr 2021: „Aus Scheiße wird Gold“, jetzt bei der aktuellen Tour lautete das Motto „Immer wieder fallen“.

29.01.2024

Visitenkarten, im digitalen Zeitalter immer noch gerne hergestellt, bedruckt und benutzt.

Langeweile gehabt, einfach mal „ausgemistet“. Was in Lübeck alles nicht mehr existiert….

Wielandstraße

…… und das Umfeld

Ein Bebauungsplan aus dem Jahre 1894. Bereits vorhanden die Häuserreihe 7a bis c. Auf der gegenüberliegenden Seite das Sägewerk (eine zweite Sägemühle existierte an der Moislinger Allee, wo sich auch eine Gasanstalt befand (heute Eigentumswohnungen auf einem Gelände, das ehemals den Stadtwerken Lübeck gehörte).


Am Ende der Sackgasse die Wielandbrücke, die über den Stadtgraben führt, wo zu der Zeit oberhalb die Eisenbahnlinie nach Büchen entlangführte. Die Brücke über den Stadtgraben entstand 1878, die im Jahre 1920 erneuert wurde.

1920 (aus: Vaterstädtische Blätter 1920/21)

Oberhalb, an der Lachswehrallee, die Aktien-Bierbrauerei (heute ein denkmalgeschütztes Gebäude der Dräger AG).


Die Straße benannte man 1876 nach dem Literaten und Dichter Christoph Martin Wieland, geboren 1733 in Baden-Württemberg, gestorben 1813 in Weimar.


Etwas isoliert der Namensgeber mit seiner Straße von den sonstigen Größen deutscher Literatur und Dichtkunst. Goethe, Uhland oder Herder, alle Straßen liegen im Stadtteil St. Jürgen, erhielten ihre Namen aber erst 1893 bzw. 1898.


Am 23.10.1885 verkaufte jemand laut Kleinanzeige in den Lübeckischen Anzeigen aus dem Hause Nr. 11 Tafelbirnen, Winterobst und Quitten.


1886 muss der Bautischler Peter Geerts an dem Bau der Häusern Nummer 9 und 9a verantwortlich mitgewerkelt haben.
aus: Bau- und Architekturgeschichte, Stadtentwicklung in Lübeck

Im gleichen Jahr fand sich eine Meldung von „Amts wegen“, sie stand am 17.04.1886 in der Zeitung und betraf die Verlegung einer Rohrleitung in der Wielandstraße hin zur „Stadt-Wasserkunst“. Für die Maßnahme seien die bewilligten 900 Mark zu verwenden.


Der Bauunternehmer und Zimmermeister Hermann Friedrich Schunk baute 1893 drei Häuser als Ensemble, die zusammenstehenden Gebäude mit den Nummern 7a bis 7c.


In 1894 waren die Häuser Nummer 7a bis 7c bezugsfertig.

Wer wohnte nun in diesen Häusern? Eine kleine Übersicht für die Jahre 1895 bis 1910 (entnommen aus den Lübecker Adressbüchern – jeweiliger Jahrgang, Vornamen und Berufe erst ab 1909):

In Haus 7a wohnten zunächst Kröger, Brasch, ab 1897 Kröger, Zaschenbrecher, 1898 kaufte der Schlosser Christian Stegemann das Haus, Zaschenbrecher wohnte dort weiterhin. 1902 fand ein Mieterwechsel statt, Bachmann statt Zaschenbrecher. 1904 erneut ein Mieterwechsel, für Bachmann kam Heinrich Raath (Kassierer).

In Haus 7b lebten Stegemann und Ahrens bis 1898 als Mieter. 1899 erwarb Kröger das Haus, der Mieter Ahrens wohnte bis 1900 weiterhin dort. 1901 wechselte der Mieter, Arndt statt Ahrens. 1902 neuerlicher Wechsel zu Meyburg als Mieter. 1904 gehörte Kröger das Haus immer noch, jetzt wieder mit einem anderen Mieter, Wienck. Für 1908 war aufgeführt Kröger (E= Eigentümer) und jetzt neu der Mieter Paul Hamann. 1910 blieb das Haus im Besitz des Arbeiters Friedrich Kröger (E= Eigentümer) und der Kutscher Joachim Prösch wohnte hier.

Das Haus 7c verzeichnete folgenden Eigentümer und Bewohner: zunächst Krimm und Plog, ab 1897 Turlach und Brehmer, hier noch Eigentümer Schunk. 1899 wechselte das Haus seinen Besitzer, Richartz ward Eigentümer und Stühff wohnte dort mit. 1900 übernahm der Mieter Stühff das Haus als Eigentümer und Rühmling wohnte dort. Mieterwechsel in 1901, es kam Jürs. Auf Jürs folgte 1903 Bornholdt. 1904 neuerlicher Umzug, nun zwei Mieter, Bars und Rupnau. 1905 zog Stühff aus seinem Haus aus, es blieben die Mieter Bars und Rupnau. 1908 fand ein Eigentümerwechsel statt, von Stühff zu Höppner, Mieter Rupnau zog aus. A. Bars war Schiffsbaumstreicher, der Eigentümer Heinrich Höppner hatte die Berufsbezeichnung Güterbodenarbeiter.

Unter der Nummer 14 war die Firma Sager & Klüßmann (Sägewerk) als Eigentümerin verzeichnet, deren Teilhabern etliche Häuser in der Straße gehörten. Bis 1898 die Nummern 4 a bis 12. 1900 neben Nr. 14 noch die Häuser 4a bis 6 a. 1906 sind letztere an F. C. Scheel veräußert worden.


In diesem Jahr drohte scheinbar die Einführung der Tabaksteuer, was sonst hätte diese Anzeige vom 12.01.1894 bedeuten sollen.


Ein Artikel aus den Lübeckischen Anzeigen vom 06.05.1901:

Der am 8. April des Jahres von Roßlau an der Saale auf dem Kanalwege hier angekommene, nach Danzig verkaufte eiserne Räderdampfer, „Friedrich Herzog von Anhalt“ am Sonnabend von der Werft des Schifffbauers Stühff an der Wielandstraße, wo die Räder abgenommen und das Fahrzeug durch dichten Verschluß der Kajütenfenster für den Seetransport hergerichtet worden war, in den Seehafen gekommen und heute Mittag im Schlepptau des hiesigen Dampfers „Dora“, Kapt. Bremer, von hier abgegangen, um über See nach Danzig befördert zu werden. 

Die Bekanntmachung stammt vom 26.08.1902:


Die folgende Nachricht stammt aus dem Jahre 1910, die Polizei lehnte die Errichtung einer Schankwirtschaft in der Wielandstraße mangels Verkehr ab.


In der Holzhandlung Sager & Klüßmann brannte es am 13.08.1913. Siehe Ausschnitt aus den Lübeckischen Anzeigen:

So sah es 2024 auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerkes aus:


Um 1920 hieß der Buniamshof noch „Spielplatz“. Am 16. Mai weihte man dort ein Ehrenmal für die im 1. Weltkrieg gefallenen deutschen Soldaten, die Turner waren, ein.

Ein Sandsteinobelisk von Hans Schwengerle aus München

Aus dem 2. Weltkrieg liegt eine Meldung vom 07.05.1941 vor, nach der sind drei Brandbomben auf die Häuser der Nummern 7 bis 7b abgeworfen, jedoch rechtzeitig vom Selbstschutz gelöscht worden. Außerdem traf eine Flakgranate das Haus Nr. 7, detonierte jedoch nicht.


1951 befand sich bereits die Firma Aust & Co im Haus Nr. 14. Die folgende Anzeige stammt aus dem Jahre 1959.


Am 15.11.1959 fuhr in Lübeck die letzte Straßenbahn. Das ehemalige Straßenbahndepot in der Finkenstraße fand von den Verkehrsbetrieben keine neue Nutzung und wurde verkauft. Busse übernahmen die alleinige Aufgabe im Personentransport.

aus: Verwaltungsberichte der Hansestadt Lübeck

Die Finkenstraße befindet sich links von der Ausfahrt aus der Wielandstraße auf die Lachswehrallee, wo sie nach ca. 100m rechts abgeht. Seit dem 04.01.2006 ist die Finkenstraße für den Durchgangsverkehr gesperrt, Grund: die Firma Dräger brauchte den kreuzungsfreien Betriebsverkehr von einer ihrer Produktionsstätten zur anderen und erhielt das Recht für die Sperrung. Als „Dankeschön“ blieb Dräger mit seinem Stammsitz Lübeck erhalten.


Lübeck bekam 1962 wieder ein Sportstadion, nach der Wielandbrücke nur einen Steinwurf weit über die Possehlstraße erreichte man den Buniamshof. Er wurde am 06.07.62 feierlich eingeweiht..

aus: Verwaltungsberichte der Hansestadt Lübeck

Herr Walter Ruser, seines Zeichens Kistenmacher, bot 1963 in Haus Nr. 17 seine Waren zum Verkauf an.


1965 standen in der Wielandstraße 22 Wohngebäude mit 56 Wohnungen, in denen lebten 56 „Haushalte“. Insgesamt hatte die Straße 180 Einwohner.
aus: Statistische Jahrbuch Lübeck 1965


1993 sah es im Park an der Wielandstraße am Stadtgraben noch so aus:

Wo seit Jahren nun Kinder spielen, da wohnten einst die Stadtindianer in Bauwagen etc.


1994 verschwand das alte Gartengelände hinter der linken Häuserreihe, Bagger und Planierraupen ebneten das Areal für die Errichtung der Wohnblocks ein. Letzte Bauwagen der Stadtindianer sind noch zu sehen.


Die MACH AG, ein Software-Unternehmen, das Programme für Behörden und Ämter entwickelt, ließ sich 2001 am Ende der Wielandstraße im ehemaligen Wasser- und Schifffahrtsamt nieder.


Stadtgraben und heutige Wielandbrücke, immer wieder ein gern genommenes Motiv…

Februar 2022

Die Wielandstraße ebenfalls im Februar 2021, im Schneetreiben…

Zum Vergleich 2005


Und mal ganz ohne Schnee aus dem Jahre 2008…. „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ in der Wielandstraße.

2024

Gefährliches Pflaster, die Wielandstraße?

Am 13.01.2024 nachmittags fand ein Spaziergänger in der Nähe der Wielandbrücke eine männliche Leiche im Stadtgraben treibend. Die Polizei war vor Ort.


Trotz Schnee und Eis schufteten die Gartenbaubetriebe auf dem Wall und beschnitten am Buniamshof am 15.01.2024 in luftiger Höhe seilgesichert Bäume.

Im August, konkret ab dem 05.08.2024 soll die Wielandbrücke einen neuen Belag erhalten, so jedenfalls kündete ein bescheiden großes Plakat an der Ecke zur Lachswehrallee dies den Bürgern an. Vier Wochen seien für die Erneuerung eingeplant.